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Wer ist eigentlich das Jägerken von Soest?

Das Jägerken ist keine Figur aus dem Mittelalter, sondern eine moderne Soester Tradition mit literarischen Wurzeln.

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JÄGERKEN

Wer das Jägerken bei der Allerheiligenkirmes oder einem offiziellen Termin sieht, könnte die Figur leicht für einen jahrhundertealten Brauch halten. Tatsächlich entstand das heutige Jägerken erst 1976. Anlass war der 300. Todestag des Schriftstellers Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen.

Die literarische Spur führt zu Grimmelshausens Schelmenroman über den abenteuerlichen Simplicissimus. Darin verbringt die Hauptfigur eine Zeit in Soest und tritt als Jäger von Soest auf. Das moderne Wort Jägerken stammt nicht unmittelbar aus dem Roman, sondern wurde später zur liebevollen Soester Bezeichnung der Repräsentationsfigur.

Seitdem wird regelmäßig ein neues Jägerken ausgewählt. Die Person steht häufig zugleich für einen Verein, einen Beruf oder ein besonderes gesellschaftliches Engagement. Dadurch erzählt jedes Jägerken nicht nur von der Kirmes, sondern auch von Menschen, die das Leben in Soest mitprägen.

Bei Veranstaltungen begleitet das Jägerken unter anderem städtische Repräsentanten und trägt die Soester Tradition auch nach außen. Aus einer literarischen Anregung wurde so ein vergleichsweise junger Brauch, der heute fest zur Wahrnehmung der Allerheiligenkirmes gehört.

Geschichte und Legende sollten dabei auseinandergehalten werden: Der Roman und sein Jäger von Soest sind die literarische Vorlage. Das jährlich ernannte Jägerken ist eine moderne Soester Weiterentwicklung.

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